Monatsspruch für September 2020

„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst.“ (2Kor 5,19) Das ist ein Satz aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth, den die Polizei verbieten müsste, wenn er nicht in der Bibel stünde. Warum? Weil er von einer Versöhnung der Welt spricht. Na und? Ja, weil die Welt – im Neuen Testament kosmos (ο κόσμος) genannt – dort meist die böse Welt ist, der Gegenspieler Gottes. Auf jeden Fall ist sie der Bereich der „Ungläubigen“ oder der Nichtglaubenden oder der Agnostiker, wie wir heute sagen. Auch wir unterscheiden ja immer noch kirchlich und weltlich.

An vielen Stellen im Neuen Testament ist davon die Rede, dass die Menschen nur durch ihren Glauben an Jesus Christus versöhnt oder errettet werden, z. B. in dem bekannten Vers Johannes 3,16: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Versöhnung, Errettung, Heil nur durch den Glauben. Allein der Glaube, sagt auch Martin Luther. Doch von Glauben ist in unserem Vers gar nicht die Rede. Das hat schon Origenes, ein griechischer Theologe des 3. Jhd. n. Chr. entdeckt und daraus die sog. Allversöhnungslehre entwickelt. Gott versöhnt die Welt mit sich selbst um Jesu Christi willen, und die Welt heißt: Alle. Alle Menschen. Alle werden versöhnt.

Ich muss gestehen, dass ich dieser Lehre, die jahrhundertelang als Irrlehre galt, immer mehr abgewinnen kann, um so mehr Menschen um mich herum sind, die nicht der Kirche angehören, die nicht an Jesus Christus glauben und überhaupt nicht an ein höheres Wesen. Dass Christus auch für sie gelebt hat und gestorben und auferstanden ist, leuchtet mir immer mehr ein. Aber Allversöhnung, Versöhnung für alle, muss dann auch für die Judasse aller Zeiten gelten, für die wahren Bösewichter. Das ist die andere Herausforderung für unser Empfinden, Denken und Handeln. Und die Frage lautet: Wie können wir Christinnen und Christen Botschafter dieser Versöhnung sein?

Bernhard Schmidt

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