Gedanken zur Jahreslosung 2018

Gedanken zur Jahreslosung 2018

Von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee

An Heiligabend 2017 haben wir wieder für die Aktion „Brot für die Welt“ gesammelt. Diesmal gingen unsere Spenden nach Kenia zum Fuß des Mount Kenya, wo „Brot für die Welt“ zusammen mit der Anglikanischen Kirche in Kenia u. a. neue Wasserleitungen baut. Die Menschen dort leiden unter extremen Dürren, die sich durch den Klimawandel noch verschärft haben. Mit einer neugebauten Wasserleitung kann z. B. Regenwasser, das in einer großen Felsmulde aufgefangen wird, in ein unterhalb des Felsens gelegenes Dorf geleitet werden. Bisher haben die Menschen dort Wasser aus dem Flussbett ausgraben müssen, das oft unsauber war und vielfach zu Würmern, Ruhr und Durchfall geführt hat. Die Unsauberkeit des Wassers hängt auch damit zusammen, dass es dort wie in vielen Teilen Afrikas noch keine Sanitär- und Abwassereinrichtungen gibt. Mit Hilfe von „Brot für die Welt“ bekommen die Menschen am Fuße des Mount Kenya jetzt frisches, sauberes lebendiges Wasser umsonst, wie es auch in der Jahreslosung für 2018 aus der Offenbarung des Johannes heißt: Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offb 21,6)

Doch was bedeutet die Jahreslosung für uns im zivilisierten Mitteleuropa, denen es an frischem Wasser nicht mangelt?

Vor einigen Jahren sprach mich ein Mann an und sagte: „Ihr redet in der Kirche immer von Gnade, aber wo ist sie? Alles kostet Geld, auch bei Euch.“ Das hat mich nachdenklich gemacht. Im Prinzip hat er Recht. Wir nehmen Kirchensteuern ein und bitten um Kirchgeld und im Gottesdienst und bei Veranstaltungen um Spenden und Kollekten. Sicher, die Kirche muss sich irgendwie finanzieren und eine Kirche wie die unsere, die so vielfältig Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt, erst recht.

Aber müsste es nicht trotzdem, auch gerade in der Kirche wenigstens zeichenhaft erfahrbar sein, dass wir von der Gnade Gottes leben und die Gnade Gottes predigen? Gnade, auf lateinisch gratia. Daher kommt das schöne Wort gratis, umsonst. Martin Luther seine ganze Theologie darauf aufgebaut. Der Mensch wird gerecht vor Gott allein aus Gnade. Er kann sich diese Gnade nicht erwerben, weder durch Tun noch durch Leiden, sondern allein dadurch, dass er an Gott glaubt und ihm vertraut und sich seine Gnade gefallen lässt. Das gilt auch noch „im Jahr danach“, nach dem großen Reformationsjubiläum.

Weil mich der Einwand des Mannes nicht losließ, haben wir damals in meiner Gemeinde eine Veranstaltung gemacht mit dem Titel „Kirche – frei und offen für alle“. Da sollte jedermann und jedefrau und jedeskind erfahren können, dass Gottes Gnade gratis ist, indem keinerlei Geld umlief. Natürlich kein Eintritt vorher, aber auch keine Kollekte nachher und keine Spenden beim Glühwein oder Würst­chen­stand. Alles gratis, alles umsonst. Das Ziel bestand nicht in der Botschaft, dass die Kirche Geld hat oder die Leute mit Geschenken verführen oder gar erpressen will, sondern darin, die Menschen zu sensibilisieren für die vielen Wohltaten Gottes, die wir umsonst bekommen und auf die wir uns auch 2018 freuen dürfen: Luft und Licht, Wasser und Natur, die Liebe und Nähe unserer Angehörigen und nicht zuletzt Gottes Gunst und Gnade, das Evangelium, das uns täglich neu geschenkt wird, einfach so, umsonst, denn Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

 

2 Kommentare zu “Gedanken zur Jahreslosung 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*