Gedanken zur Jahreslosung 2017

Gedanken zur Jahreslosung 2017

Von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

Ach, wäre das schön, sagt der ältere Herr, der schon zwei Herzinfarkte überstanden hat: ein neues Herz! Ach, wäre das schön, sagt die Architekturstudentin, die sich immer wieder mit Mathematik quält und kurz vor dem Abbruch ihres Studiums steht: ein neuer Geist! Wo das erste heute möglich erscheint – Herztransplantationen werden schon seit 40 Jahren praktiziert – gibt es Gehirntransplantationen noch (?) nicht, man möchte sagen, zum Glück. Denn was bliebe von mir, wenn mein Geist ausgetauscht würde? Natürlich kennen wir auch Versuche in diesem Bereich, z. B. die Einnahme bewusstseinserweiternder Drogen oder konzentrationssteigernder Mittel, Versuche, die eigenen körperlichen oder geistigen Grenzen zu überwinden oder wenigstens doch zu erweitern.

Ich glaube, der Prophet Hesekiel meint etwa anderes. Mit Herz und Geist meint er das Innere des Menschen, seine Geistes- und Willenskraft. Wie alle Propheten quält ihn die Frage, warum die Menschen die Gebote Gottes, die doch dem Leben dienen, einem besseren Leben und einem besseren Zusammenleben, nicht halten. Man kann diese Frage auch auslagern aus der Kirche und Religion und fragen, warum die Menschen die Gesetze, die doch zu ihrem Besten gemacht sind, nicht halten. Warum gibt es Lügner, Diebe, Mörder? Aber auch unterhalb der Ebene der Kriminalität. Warum halte ich die Gebote nicht, obwohl ich sie doch eigentlich bejahe. Auf diese Frage gibt es bis heute keine Antwort.

Oder doch? Nein, keine Antwort, aber einen Ausweg: Gott selbst wird seinen Geist in die Menschen legen. Das klingt erst einmal phantastisch. Und wenn man nicht an Gott glaubt, wird man mit dieser Ankündigung nicht viel anfangen können, und auch manchem Christen wird das ein bisschen des Gutes zuviel sein… Aber wenn wir glauben, dass in Jesus Gott selbst zur Welt gekommen ist und dass Jesus durch den Heiligen Geist „empfangen“ und beseelt war, dann ahnen wir, was der Prophet meint. Jesus selbst ist der Träger des neuen Herzens und des neuen Geistes. Und wir? Wir haben mittelbar Anteil daran, indem wir uns als Christen von Jesu Christi Herz und Geist leiten lassen. Dass Erneuerung immer wieder möglich ist, feiern wir gerade in diesem Jahr, dem 500. Gedenkjahr an die Reformation, die Erneuerung der Kirche. Es war nicht nur Understatement und Koketterie, sondern Überzeugung, wenn Martin Luther einmal sinngemäß sagte: Während ich mit Philipp Melanchthon und Nikolaus Amsdorf wittenbergisch Bier getrunken habe, hat der Heilige Geist die Reformation gemacht…

Das heißt für mich: Wirkliche Erneuerung, damals wie heute (!), ein neues Herz und einen neuen Geist gibt es nur, wo Gott selbst der Geber ist, und das gilt für die Kirche, und das gilt für jeden Einzelnen und jede Einzelne.

2 Kommentare zu “Gedanken zur Jahreslosung 2017

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