Panzerhalle in Krampnitz wird zum Raum für Gottesdienste

Evangelische Kirche will sich von Anfang an im neuen Krampnitz-Quartier engagieren – und wählt dafür einen ungewöhnlichen Standort.

Die Pläne für die sanierte Ex-Panzerhalle stammen vom Büro Gerkan, Marg und Partner. Sie bauten auch das „blu“-Bad. Quelle: Pro Potsdam

Krampnitz
Schwerter zu Pflugscharen: Dieser alte biblische Slogan der Friedensbewegung wird nun im geplanten Wohngebiet Krampnitz in abgewandelter Form zur Anwendung kommen. Denn im ehemaligen Kasernenareal heißt es bald: Panzerhalle zum kirchlichen Kindergarten.
Eine ehemalige Werkstatt, die jahrzehntelang zur Reparatur von Militärfahrzeugen genutzt wurde, soll nach einer millionenteuren Sanierung zum einen als Ort für Gottesdienste, als Bürgerhaus und für Veranstaltungen wie Kinovorführungen oder für Bürgerversammlungen genutzt werden.

Außerdem soll eine evangelische Kindertagesstätte und eventuell ein Seniorenzentrum in dem 700-Quadratmeter-Gebäude untergebracht werden, das offiziell die Bezeichnung „Panzerhalle K 27“ trägt und im Zentrum des neuen Viertels an der Straße nach Fahrland steht.
Kirchliches Modellprojekt
Das Projekt läuft unter dem Namen „KiK“ („Kirche in Krampnitz“). „Es ist ein Modellprojekt“, sagte Pfarrer Bernhard Schmidt, der den Vorsitz in der kollegialen Leitung des Kirchenkreises innehat, am Montag auf MAZ-Anfrage: „Als Kirche kommen wir oft zu spät bei Entwicklungsprojekten. Doch hier entsteht ein neuer Stadtteil und wir hoffen, dass wir auch mitgestalten dürfen.“

Wobei die Pläne schon recht konkret sind. In Sachen Kindertagesstätte sei man bereits mit dem Babelsberger Oberlinhaus im Gespräch, so Schmidt.
Eigene Kirchenkreisgrenzen
Dass der Kirchenkreis Falkensee in Krampnitz „den Hut auf“ hat, liegt an der Abweichung zwischen den Stadtgrenzen und den Kirchenkreisgrenzen. Geografisch und administrativ wird der neue Stadtteil Krampnitz zur Kirchengemeinde Fahrland gehören, die wiederum zum Kirchenkreis Falkensee gehört. Perspektivisch, so Schmidt, könne mit wachsender Bevölkerungszahl auch über die Gründung einer neuen Krampnitzer Kirchengemeinde nachgedacht werden. Doch momentan ist dies nicht das vordringliche Ziel. Vielmehr gehe es darum, als Kirche mit dem Stadtteil „mitwachsen und mitgestalten“ zu können – als Beitrag zur Integration: „Wir wollen als evangelische Kirche – als Institution – vor Ort sein und den Menschen helfen, dort heimisch zu werden.“
Kirchliches Krampnitz-Team
Das Projekt wird derzeit in einem Krampnitz-Team erarbeitet, das vom früheren Potsdamer Superintendenten Joachim Zehner ins Leben gerufen wurde. Ihm gehören die Kirchenkreise Falkensee und Potsdam sowie die beiden diakonischen Träger Oberlin und der Landesausschuss für Innere Mission (Lafim) an. Bei der Projektarbeit greift man auch auf Erfahrungen der Potsdamer mit Kirchenbauten in Neubaugebieten zurück – siehe Kirchsteigfeld. Für Potsdams Superintendentin Angelika Zädow bedeutet das Krampnitz-Projekt „eine große Stärkung des kirchlichen Lebens im Potsdamer Norden“.
Momentan gehört das Grundstück mit der Ex-Panzerhalle dem für Krampnitz zuständigen Entwicklungsträger Potsdam. Klar ist laut Schmidt schon, dass die Stadt die Altlastensanierung übernehmen wird: „Nun warten wir auf ein Angebot der Stadt, was den Grundstückspreis angeht.“
Boden muss getauscht werden
Von Seiten des Entwicklungsträgers Potsdam wird dem Projekt volle Unterstützung signalisiert. „Wir finden es gut, wenn es von Anfang an in Krampnitz Gemeindeleben gibt – das ist wichtig für die Identität des Quartiers und die Gemeinschaftsbildung“, erklärte Entwicklungsträger-Geschäftsführer Bert Nicke am Montag gegenüber der MAZ.
Momentan präsentiert sich die Ex-Panzerhalle noch mit einer gehörigen Portion Gruselfaktor. Aufgrund des langen Leerstands – die letzten Soldaten zogen Anfang der 1990er Jahre ab – liegt eine Art morbider Dornröschen-Charme über dem hohen Saal mit den geborstenen Fenstern und den schadhaften Wänden voller Graffiti.
Die Nutzung als Werkstatt hat tiefgreifende Spuren hinterlassen, erklärt Nicke: „Der Boden ist ölgetränkt und muss ausgetauscht werden.“ Besser sieht es bei den Betonwänden aus – eine Analyse hat ergeben, dass das Mauerwerk nicht mit Schadstoffen verseucht ist. Binnen vier Jahren könnten die Restaurierungs- und Umbauarbeiten an dem Bau abgeschlossen sein, so Nicke. Heißt: Schon bald nach dem Einzug der ersten Mieter – nach jetzigem Stand soll das 2022/23 sein – könnte „Kirche in Krampnitz“ ihre Türen für die Anwohner öffnen.

Von Ildiko Röd

Ein Kommentar zu “Panzerhalle in Krampnitz wird zum Raum für Gottesdienste

  1. Wir werden das Projekt aber nur “wuppen”, wenn wir engagierte Mitstreiter finden. Wer uns dabei helfen will, melde sich bitte in der Superintendentur.
    B.S.

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