Paarener Gotteshaus wird umgebaut

Kirche Paaren (klaer) v.l.: Jens Greulich, Chriatian Gunkel und Ingo Dreger

Foto: Andreas Klaer, MAZ vom 03.07.2018

Das Paarener Gotteshaus wird zu einem Ort für kirchliche und weltliche Veranstaltungen umgebaut.
Paaren – Hier ist Potsdam noch ein Dorf: Wer von der Innenstadt auf der B 273 an Marquardt vorbei und unter der Brücke für den Berliner Autobahnring hindurch weiter in Richtung Norden fährt, sieht nach einiger Zeit rechts der Straße ein Getreidefeld. Und dahinter, am Horizont, so zwischen Acker und Himmel, geraten Häuser und Bäume ins Bild. Mittendrin eine kleine Kirche, der Turm bescheiden und doch über das Feld hinweg schon von der Bundesstraße aus sichtbar. Die Häuser hier am Rand des Feldes gehören zu Paaren, dem vielleicht unbekanntesten Stadtteil Potsdams. So unbekannt, dass man ihn bisweilen mit dem havelländischen Paaren im Glien verwechselt, wo alljährlich die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung BraLa stattfindet, die Zehntausende Besucher anzieht.
Etliche Nummern kleiner geht es im Potsdamer Paaren zu. Regelrecht beschaulich wirkt zum Beispiel das Gelände rund um die Kirche. Die Pforte zum Kirchhof wird eingerahmt von zwei Linden. Wer durch das Tor tritt und den Blick nach oben zum Kirchturm richtet, der schaut zurzeit auf eine grüne Folie am Turm, denn hier wird momentan gebaut. Doch nicht nur dort, auch im Kirchenschiff sind die Bauleute zugange. Wenn alles fertig ist, soll das fast 250 Jahre alte Gotteshaus ein Ort sein, der für kirchliche und weltliche Veranstaltungen gleichermaßen genutzt werden kann. So könnten hier außer Gottesdiensten in der Zukunft zum Beispiel auch Bürgerversammlungen oder Vereinsveranstaltungen stattfinden. Die Dorfkirche sei schließlich „der einzige öffentliche Raum in Paaren“, sagt Christian Gunkel, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. Auch kulturelle Veranstaltungen könnte es hier nach den Vorstellungen der Verantwortlichen in absehbarer Zeit geben. „Vom Konzert über Lesungen bis Filmvorführungen“ sei vieles denkbar, sagt Gunkel.
Damit die alte Dorfkirche, geweiht 1770, für all diese neuen Nutzungen auch wirklich praktisch geeignet ist, wird sie derzeit umgebaut. Die Innenausstattung des Sakralbaus will man grundlegend verändern. Der bisherige Altar, auch die Kanzel und der Taufstein – alles in den 1960er-Jahren entstanden nach Plänen von Kirchenbaurat Winfried Wendland – sind schon ausgebaut und sollen nicht mehr in die Kirche zurückkehren. „Die sind jetzt nicht weggeschmissen“, sagt der Fahrländer Pfarrer Jens Greulich, der auch für Paaren zuständig ist. Man habe diese Gegenstände eingelagert. Was genau an ihre Stelle treten soll, sei noch nicht entschieden. „Das ist ein kreativer Prozess“, so Greulich. Die alte Taufschale aus dem Taufstein wolle man erneut verwenden, ein Lesepult und einen Altartisch soll es auch wieder geben. Doch im Gegensatz zu der bisherigen Ausstattung soll dies alles leicht transportabel sein. Denn die vielfältigen Nutzungen, eben nicht nur zu kirchlichen Zwecken, verlangen nach einem variabel zu gestaltenden Raum. Auch die vorderen Reihen der Kirchenbänke werden daher wegfallen. Stattdessen soll es Bänke an der Wand entlang geben. Eine flexible Bestuhlung wird dann möglich sein. Nur die drei hintersten Bankreihen sollen wieder am alten Ort aufgestellt werden.
Normalerweise sind solche Veränderungen an der Kirchenausstattung bei den Denkmalschützern nicht leicht durchzusetzen, erläutert der Kleinmachnower Bauingenieur Ingo Dreger, der die laufenden Bauarbeiten leitet. „Das ist sehr mutig gewesen von Herrn Kalesse“, sagt Dreger über den kürzlich pensionierten Potsdamer Stadtkonservator, der die Planungen mitgetragen hatte. „Es wird fast immer abgelehnt, das Gestühl zu verändern“, erklärt Dreger aus Erfahrung.
Zurzeit ist das Kirchenschiff des Paarener Gotteshauses weitgehend leer geräumt. Stellenweise musste der Putz abgeschlagen werden, denn es sind Schäden durch Salze aufgetreten. Das muss nun saniert werden. Auch die Elektrik und das Gebälk des Turms werden auf Vordermann gebracht. Eine Infrarotheizung soll künftig die Kirche erwärmen. Die Orgel auf der Empore hat man für die Bauarbeiten nicht extra abgebaut. Das Instrument wurde stattdessen mit Folie eingehaust. „Das ist das Erste, was wir gemacht haben“, sagt Greulich. Denn Baustaub bekommt keiner Orgel gut. Das Instrument ist eine der ältesten Schuke-Orgeln überhaupt, erbaut 1899. Es ist das Opus 10 der traditionsreichen Orgelbaufirma.
Die Arbeiten an der Kirche haben im Frühjahr begonnen, also vor wenigen Monaten. Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2019, will man im Wesentlichen fertig sein. Insgesamt fast 200 000 Euro stehen zur Verfügung, so Gunkel. Klar, dass die Kirchengemeinde mit ihren 39 Seelen dies nicht alleine stemmen kann. Etwa drei Viertel der Investitionskosten werden aus Mitteln der Europäischen Union bezahlt, berichten die Verantwortlichen. Aber auch die Landeskirche, der Kirchenkreis, die Stiftung Kirche im Dorf und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg helfen der Gemeinde.
Ein Problem ist noch die sanitäre Situation. Eine Toilette soll her. Und die will man in die alte Friedhofskapelle neben der Kirche einbauen. Aber konkret seien die Pläne noch nicht, sagt der Pfarrer. Es gibt also noch weiter etwas zu bauen.

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