Neben der „Tankstelle“ jetzt auch wieder eine Bettstelle…

Zur Wiedereinweihung des Rüst- und Freizeitheims „Bei den Aposteln“ in Zeestow am 6.5.2018. Von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee

Früher, als es noch kein Internet gab, da ging ich, wenn ich spontan eine Unterkunft suchte, zum „Fremdenverkehrsamt“. Fremdenverkehrsämter gab es in allen Städten und Urlaubsgebieten. Als Fremder in der Fremde, als Gast in einer Stadt, hoffte man dort ein Bett für die Nacht zu finden und Gastfreundschaft zu erleben.
Gastfreundschaft ist ein Gebot in allen alten Religionen und Kulturen. So heißt es z. B. im Neuen Testament der Bibel, am Ende des Hebräerbriefes „Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige – ohne ihr Wissen – Engel beherbergt.“ (Hebr 13,2). In der Kirche gehört die Gastfreundschaft seit alters zu den sog. „sieben Werken der Barmherzigkeit“. Neben dem Speisen der Hungrigen, dem Tränken der Durstigen, dem Bekleiden der Nackten, dem Pflegen der Kranken, dem Besuch der Gefangenen und dem Bestatten der Toten. Aber auch wenn es nicht in der Bibel stünde, wüssten wir es, weil jeder von uns weiß, wie es ist, irgendwo fremd zu sein.
Abgesehen davon, dass die Aufnahme von geflohenen Menschen seit Jahren das unbestrittene Hauptthema in unserer Gesellschaft ist. Deutschland hat 2015/16 über eine Million Flüchtlinge aufgenommen und damit weit mehr als alle anderen Länder Europas. Das ist – wie wir wissen – nicht konfliktfrei verlaufen, aber die meisten haben es gern getan. Es hat uns bereichert, manche hat es sogar ein wenig stolz gemacht. Auch unsere Gemeinden hatten viele Flüchtlinge. Eines unserer Gemeinde-Häuser wurde dem Landkreis Havelland als Notunterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt: das Rüst- und Freizeitheim Zeestow. Zwischen Oktober 2015 und Juni 2016 lebten hier bis zu 25 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, aus Afghanistan, Pakistan und Tschetschenien. Dieses Haus, seit 1962 Ferienhaus des Kirchenkreises, verfügt also über einschlägige Erfahrungen als Gästehaus. Nun ist es für viel Geld saniert, modernisiert und kapazitätsmäßig (max. 40 Betten) erweitert worden. Am Sonntag, den 6. Mai 2018, wird es von Bischof Markus Dröge wiedereröffnet.
Aber braucht es dieses Haus? Eindeutig ja! Zum einen gibt es im Großraum Berlin viel zu wenige kirchliche Gruppenhäuser für Kinder- und Jugendliche, für Chöre und Gemeindekirchenräte. Aber auch nichtkirchliche Gruppen wie Schulklassen, Musikschulensembles, Sportgruppen oder Familien suchen ständig geeignete Unterkünfte. Mit dem Rüst- und Freizeitheim „Bei den Aposteln“ in Zeestow bieten wir einen zusätzlichen Ort christlicher Gastfreundschaft für alle an. Was das Christliche daran ist? Ich will zwei Dinge nennen: Zum einen wird das Haus im Erdgeschoss komplett barrierefrei sein. Auf einer Rampe können Rollstuhlfahrer das Hochparterre erreichen und über die Terrasse direkt in die Zimmer hineinfahren. Zum andern befindet sich das Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Autobahnkirche mit den 12 Apostelbildern von Volker Stelzmann, die täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet ist und jedermann und jederfrau und jeder Gruppe zur Besichtigung, Besinnung oder zum Gebet offen steht. Neben der „Tankstelle für die Seele“ haben wir nun auch wieder eine „Bettstelle für den Leib“, kurz: christliche Gastfreundschaft für Leib und Seele. Denn „Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige – ohne ihr Wissen – Engel beherbergt.“
Apropos „Engel beherbergt“: Unsere Autobahnkirche beherbergt jetzt auch zwei Engel, die Seraphim „engelgleich machtvoll“ und „engelgleich herrlich“ des Brieselanger Glaskünstlers Helge Warme. Von ihnen erwarten wir, dass sie unsere hoffentlich zahlreichen Gäste aus nah und fern fröhlich machen, nachdenklich machen und sie gleichsam auf ihren Wegen begleiten und beschützen…

Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*