Monatsspruch für Februar 2019

„Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Röm 8,18)

Paulus wusste, wovon er spricht. Woanders schreibt er, dass er fünfmal gegeißelt worden ist, dreimal bekam er Stockhiebe, einmal wurde er sogar gesteinigt. Dreimal hat er Schiffbruch erlitten, eine ganze Nacht trieb er auf offenem Meer. Und das alles als Missionar, als Völkerapostel, in Erfüllung seines Auftrags. Wie hält ein Mensch so etwas aus? Warum sagt er nicht: „Jetzt reicht’s mir. Mach doch dein Ding allein, Gott.“ Nein, Paulus war sogar stolz darauf, dass er für Christus leiden durfte. Für ihn war das eine Auszeichnung. Trotzdem nennt er es „Leiden“. Denn auch wenn man weiß, wofür man ausgepeitscht und gesteinigt wird, macht es Angst und tut weh. Also, woher nahm er die Kraft? Aus der Hoffnung, die Paulus hier benennt, dass seine Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die auf ihn wartet. An anderer Stelle sagt er es deutlicher: Ich hätte Lust, diese Welt zu verlassen, um bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre… Himmelssehnsucht? Heinrich Heine hat sich über den christlichen Himmel lustig gemacht, als er in seinem Versepos „Deutschland, ein Wintermärchen“ über die Kirche schrieb: „Sie sang das alte Entsagungslied, / Das Eiapopeia vom Himmel, / Womit man einlullt, wenn es greint, / Das Volk, den großen Lümmel.“ Aber Paulus‘ Schicksal zeigt, dass Himmelssehnsucht nicht mit Weltflucht oder Jenseitsvertröstung gleichzusetzen ist. Im Gegenteil, nur wer weiß, dass es ein Ziel gibt und einen Lohn, wird sich für eine bessere Welt einsetzen und dafür auch persönliche Opfer bringen. Selbst Dietrich Bonhoeffer, der eine „religionslose Welt“ erwartete, soll, bevor er auf den Galgen gestiegen ist, gesagt haben: „Das ist das Ende, für mich der Anfang des Lebens.“
Bernhard Schmidt

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