Fontane 200. Fontane sells…

Das Fontane-Fieber im Havelland hat auch die Kirchen angesteckt…
Gedanken zu Theodor Fontane. Von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt

Theo, wir fahrn dir nach…

… dachten wir und planten für das Fontane-Jahr eine „Kirchenfahrt durch Fontanes Havelland“ zu den Kirchen der Kirchenkreise Nauen-Rathenow und Falkensee, die im Dritten Band der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschrieben sind. In Ribbeck, obwohl nicht aus den „Wanderungen“ bekannt, geht es los, sodann führt die Route über Etzin und Paretz, über Falkenrehde, Fahrland bis nach Groß Glienicke. Die Busfahrt, trotzdem für zweimal geplant, für den 1.6. und 14.9., war buchstäblich über Nacht ausverkauft. Fontane sells. Erstaunlich. Wir alle sind im Fontane-Fieber, ich übrigens auch. Auf meinem Schreibtisch steht der große Wanderer mit dem Spazierstock in der einen und den „Wanderungen“ in der anderen Hand neben dem großen Steher („Hier stehe ich…“), der seinerseits die Heilige Schrift in der einen und die Schreibfeder in der anderen Hand hält. Beide Figuren von Playmobil. So viel Kind im Manne darf sein.

Und die beiden schwarzen Männer vertragen sich erstaunlich gut, obwohl Fontane nicht besonders kirchlich und auch nicht besonders fromm gewesen sein soll. Aber wer will das schon beurteilen? Über eine seiner liebsten Romanfiguren, den alten Grafen Dubslav von Stechlin, lässt er Pastor Lorenzen, einen seiner besten Pfarrer, sagen: „Er hatte davon [vom Bekenntnis, B.S.] weniger das Wort als das Tun. Er hielt es mit den guten Werken und war recht eigentlich das, was wir überhaupt einen Christen nennen sollten. Denn er hatte die Liebe. Nichts Menschliches war ihm fremd, weil er sich selbst als Mensch empfand und sich eigner menschlicher Schwächen jederzeit bewusst war. Alles, was einst unser Herr und Heiland gepredigt und gerühmt und an das er die Segensverheißung geknüpft hat – all das war sein: Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, Lauterkeit des Herzens. Er war das Beste, was wir sein können, ein Mann und ein Kind.“

Wer wollte nicht so beschrieben sein? Und was kann man Schöneres über einen Menschen sagen, als dass er „die Liebe“ hatte, und dass er friedfertig, barmherzig und lauteren Herzens war! Aber das ist es auch, was mir den märkischen Dichterfürsten so anziehend macht, dieser menschliche Blick auf den Menschen. Und obwohl Fontane seinen Stechlin besonders gemocht haben mag, wir finden diesen liebevollen, verständnisvollen, gnädigen Blick auf den Menschen in fast allen seinen Roman- und Gedichtfiguren. Da ist kein Eifer, kein politischer, kein religiöser, kein moralischer Furor, sondern eine Milde und Liebe und Weite, wie ich sie sonst nur von meinem Gott beim jüngsten Gericht erhoffen darf…

Zurück zu den beiden Playmobilmännchen auf meinem Schreibtisch. Das, was ich oben aus der Grabrede des Pastor Lorenzen über den alten Stechlin zitiert habe, das dürfte Martin Luther nicht besonders gefallen haben, ich meine das mit den guten Werken. So dichtet der Reformator etwa in seinem Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ in der zweiten Strophe: „Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben.“ Aber auf eines würden sich die beiden wortgewaltigen Männer bestimmt einigen können, auf die Ausschließlichkeit der Gnade. „Sola Gratia“ sagt Martin. Und Theodor, was übrigens „Gottesgeschenk“ (!) heißt, lässt wiederum im „Stechlin“ Dubslavs Sohn Woldemar sagen: „Alles ist göttliches Geschenk“. Und er ist nicht der einzige, der das sagt, auch Woldemars spätere Frau, die Comtesse Armgard, bekennt: „Man erringt sich nichts. Alles ist Gnade.“

http://www.maz-online.de/Lokales/Havelland/Ketzin/Fontanereihe-in-den-Kirchen

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